Neben Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen finden Sie bei der Ausstellung in der Städtischen Galerie auch eine Videoperformance. Gleich zu Beginn werden Sie auf ein Video der im Libanon geborenen Künstlerin Teresa Diehl stoßen. Aus den Details der Männerhände, dem flatternden rosa Rock und den Beinen in weißen Strumpfhosen lässt sich die ganze Situation ableiten – ein Mädchen wird von einem Mann auf einer Schaukel geschaukelt. Die Unschuld der gesamten Projektion, die durch sanfte rosa Töne unterstützt wird, kann durch die Frage gestört werden – wer ist der Mann, der das Mädchen anschubst? Ist es ihr Vater? Oder ist es ein Fremder, eine mögliche Bedrohung? Der Aspekt der Gefahr und Bedrohung, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung zieht, wird von Teresa Diehl nicht durch ein buchstäbliches Symbol ausgedrückt. Zu den Klängen einer melancholischen synthetischen Melodie, die an eine Spieluhr erinnert, ahnen wir es vielmehr nur und das ist umso verstörender.
Die Videoperformance des deutschen Künstlerduos Stoll & Wachall beschäftigt sich mit dem Thema der weiblichen Anziehungskraft und Dominanz. Die beiden Künstlerinnen benutzen blaue Hochglanzpumps auf High Heels, um mit verschiedenen Obstsorten zu spielen oder diese direkt zu deformieren. Im Kontext der ironischen Videokunstproduktion des Künstlerduos könnte dies als Spott auf jene Männer verstanden werden, die High Heels als Mittel zur Steigerung der sexuellen Attraktivität von Frauen wahrnehmen.
In der intimen Atmosphäre des kleinen Kabinetts können Sie sich ein Video der französischen Künstlerin Marie-Ange Guilleminot mit dem Titel My Dolls ansehen. In dem Video knetet und streichelt die Künstlerin sinnlich ein amorphes Objekt, dessen Form den Bewegungen ihrer Finger und Hände gehorcht. Die organische Natur des Objekts in den Händen der Künstlerin führt zu körperlichen Assoziationen und sendet in einem tieferen Kontext auch eine Botschaft an die Welt über die Freiheit der menschlichen Identität und sexuellen Orientierung.
Weitere interessante Kunstwerke können Sie bis zum 5. Januar 2025 in der Ausstellung DANGEROUS LOVE entdecken.
Text: Jana Kosková, Kuratorin der Städtischen Galerie Litomyšl


